11.02.2011

Die negative Top 10 über Bulgarien

Wie angekündigt, hier meine Negativ Top 10 über Bulgarien:

  1. Raucher:  Auch wenn gerade wieder ein Anti-Rauch-Gesetz in Kraft getreten ist, so enthält es doch wieder zahlreiche Ausnahmeregelungen, so dass man oft genug ungewollt im blauen Dunst sitzt.
  2. Marode Infrastruktur: Egal ob Schlagloch übersäte Straßen, anfällige Strom- und Wassernetze, lose Bodenplatten, all die Unzulänglichkeiten erschweren den Alltag  und können sogar gefährlich sein. Auch dass es bis heute keine einzige fertiggestellte Autobahn gibt, lässt einen mit diesem Lande hadern. Aber Boiko hat sich der Sache bereits inbrünstig angenommen.
  3. Unfertige Bauruinen: Sicherlich, man kann sich verkalkulieren, es kann eine weltweite Finanzkrise hereinbrechen, dennoch ist das Ausmaß, wie diese Betonriesen auf Jahre hinaus die Landschaft verschandeln, beachtlich.
  4. Streunende Hunde: Ich weiß, das ist nichts neues, aber dass die Verwaltung dieses Problem nicht in den Griff bekommt, trotz vielfacher Ankündigungen, ist ärgerlich und eine Gefahr für Mensch und Tier. Diese freilaufenden Tiere verbreiten Krankheiten und fallen Menschen an.
  5. Ne raboti: Wer sich eine zeitlang in  Bulgarien aufhält, wird mit Sicherheit diesen 2 Wörtern, hand- oder maschinen geschrieben, begegnet sein. Irgendwas ist irgendwo immer kaputt und die Firma die eigentlich für die Instandsetzung dieses Teils zuständig ist, vor kurzem pleite gegangen. Über was man am Anfang noch mit einem Lächeln hinwegsehen kann, wird mit der Zeit nervig. Besonders wenn man den vollen Preis bezahlt hat, aber nicht die volle Leistung erhält.
  6. Ausländerpolitik/EGN: Um es vorweg zu nehmen, Bulgaren sind sehr ausländerfreundlich. Häufig behandeln sie Ausländer, gerade wenn man aus dem vermeintlichen goldenen Westen kommt, besser als ihre Landsleute. Auch wenn sie es kaum nachvollziehen können, dass man sein Land verlassen hat, um in Bulgarien zu leben. Diesem Umstand ist es wohl zu verdanken, dass die Administration kaum Werkzeuge geschaffen hat, Ausländer in ihre Systeme zu integrieren. Bei Geburt bekommt jeder Bulgare eine persönliche EGN, die sich aus dem Geburtsdatum und besonderen Schlüsseln zusammensetzt. Mit Hilfe dieser Nummer kann man alles mögliche anstellen: Handyverträge abschließen, Bankkonten eröffnen, ein Auto anmelden, an Gewinnspielen teilnehmen, etc. Ausländer hingegen bekommen auch eine Nummer. Diese ist aber nicht mit der EGN kompatibel! Folglich kann man praktisch nichts machen, was eine EGN benötigt. Manchmal hat es aber auch seine Vorteile, Strafzettel können einem nur auf Umwegen zugestellt werden. Die meisten Verkehrspolizisten verzichten darauf.
  7. Brain Drain: Viele talentierte Bulgaren sehen leider keine Zukunft in ihrem Land oder kehren nach dem Auslandsstudium nicht mehr zurück. Die Folge ist, dass vielerorts Leute auf Positionen arbeiten, für die sie schlicht nicht qualifiziert sind. Bei einem so kleinen Land wie Bulgarien ist dieser Schwund spürbar. Zumal nur wenige nach Bulgarien ziehen und die Lücken schließen.
  8. Dreck: Einmal im Regen gefahren und das Auto sieht aus wie nach einer Dakar Etappe. Im Winter ist alles verschlammt und im Sommer verstaubt. Es gibt einfach weniger versiegelte Flächen als in Deutschland und die Straßen werden von Zigeunern mit Reisigfegern gereinigt.
  9. Mangelnder Umweltschutz: Auch wenn einem jeder Bulgare in schwärmerischem Ton die Schönheiten seines Landes lobpreisen kann. Sobald er sich an einem dieser Orte befindet, hinterlässt er einen Müllberg aus Pastikflaschen und Abfall. Auf die Liebe der Bulgaren zur Plastiktüte stößt man praktisch überall: in den Bäumen, den Flüssen und den Stränden. Sorry, aber da hört für mich die Toleranz auf.
  10. Boza: Tut mir leid, aber ich kriege das Getränk aus vergorenem Weizen einfach nicht runter. Ist türkischen Ursprungs und auf dem Balkan weit verbreitet. Dafür muss man wohl unterhalb des Boza-Äquators geboren worden sein.
Es gibt sicherlich auch in dieser Liste Punkte, über die sich trefflich streiten lässt oder die man noch hinzufügen konnte, aber diese Punkte sind nunmal meine persönliche Negativliste.

Ich möchte noch erwähnen, dass ich trotz allem sehr gerne in Bulgarien lebe und ich keine Pläne habe, das Land zu verlassen. Im Übrigen bin ich davon überzeugt, dass man mit etwas gemeinsamer Anstrengung, aus Bulgarien einen sehr lebenswerten Ort schaffen kann.

Posdravi,
Ivan

Kommentare:

Sofianets hat gesagt…

Hier kann ich dann in allen Punkten zustimmen! ;-)

Stephan hat gesagt…

zu den streunenden Hunden: Es gibt das Gerücht, daß die Firmen, die fürs Kastrieren der Tiere zuständig sind, ihnen die Ohrmarke einfach nur so verpassen, denn sie wollen ja auch im nächsten Jahr noch einen Job haben...
Übrigens vermehren sich derweil auch die Katzen, die sind nur stiller und jagen einzeln - statt im Rudel auf der Kreuzung!

Suxi hat gesagt…

Hi Stephan, danke für deinen Kommentar. Das Gerücht erinnert stark an die Schlaglochproblematik. Auch da wird gemutmaßt, dass die Reparaturen nur halbherzig ausgeführt werden, bzw. mit kleinen Löchern versehen, wo beim nächsten Frost Wasser einläuft und die Flicken wieder aufsprengt. Übrigens ist das nicht auf Bulgarien beschränkt.
Noch ein Wort zu den Straßenreparaturen. Da wird einfach ein Teil der Straßendecke weggefräst, ohne ein Hinweisschild zu hinterlassen. Es wird dabei in Kauf genommen, dass man in so ein Loch fährt und sich evtl. einen Platten holt oder das Auto sonstwie beschädigt. Etwas anderes als einen SUV oder Geländewagen kannste in Bulgarien eh nicht fahren.

Rudolf hat gesagt…

Ich habe mal ein paar halb ernste Kommentare zu den Punkten angefügt, weil ich erstens ein unverbesserlicher Optimist bin und weil inzwischen meine Spezialfilter nun in allen Farben auf beiden Augen sehr gut arbeiten.

1. Raucher: Das kommt auf den Standpunkt an. Bei mir gehört dieser Punkt auf die Positiv-Liste. ;-)

2. Marode Infrastruktur Sehr gut, denn da hat sich der hiesige Geländekarren doch gelohnt. Und die Zustände sind ja immer noch besser, als zum Beispiel bei den Wirtschaftsriesen in USA.

3. Unfertige Bauruinen: Die fertigen Häuser haben übrigens eine ähnlich gute Isolierung, wie die Ruinen, von daher scheinen diese evt. gar nicht so unfertig zu sein. :-(

4. Streunende Hunde werden durch eine nette deutsche Tierschutzorganisation am Leben gehalten. Man war schon wesentlich weiter mit dem Problem und wurde dann gestoppt. Im übrigen ist mein größtes Problem der Halter von meinem Nachbarhund, der das Untier jeden Morgen um fünf zum Bellen in den Garten schickt. Direkt vor unser quasi nicht isoliertes Schlafzimmerfenster, siehe Bauruine.

Die Katzen haben auch Vorteile, denn ich habe hier noch keine einzige Ratte gesehen.

5. Ne raboti: Perfektionismus ist doch etwas für unkreative Charaktere. Ich liebe außerdem Überraschungen.

6. Ausländerpolitik/EGN: Lass Dir mal von meinen ausländischen Verwandten beschreiben, wie das in Deutschland für zum Beispiel Kroaten läuft. Horror pur. Wir leben hier tatsächlich im schönsten Land für Ausländer überhaupt

7. Brain Drain: Daher brauchen wir Dich hier in BG.

8. Dreck: Der macht mein Auto so schön schmuddelig. Und der Service einer Avto Mifka ist das schönste was es gibt auf der Welt. Ich würde da am liebsten jeden Tag hin fahren. Stell Dir mal vor es gibt Länder, wo man in so automatische Autowaschmaschinen fahren muss und dafür das dreifache bezahlen muss, dass einem der Lack zerkratzt wird. Nicht auszudenken! Zuhause muss ich meine Schätzchen immer selbst waschen.

9. Mangelnder Umweltschutz: Am Wochenende bin ich die 500km nach Sofia mit dem Auto gefahren und man hat überall die Felder abgebrannt. Nun fällt mir auf, dass da ja auch Tonnen Plastik mit brennen. =:-0

10. Boza: Da ist mir wohl etwas erspart geblieben, denn das kenne ich gar nicht. Wobei ich Kaschkaval nicht durch den Hals bekomme und -Schande über mich- bin ein guter Kunde der Käsenation, die auch nichts von Fußball versteht.

Gruß, Rudolf

Suxi hat gesagt…

Hi Rudolf,

danke für Deinen ausführlichen Kommentar.
Sicher, alles eine Frage des Standpunktes. ;-)
Auch ich hatte am Anfang diese Rosa Brille auf. ;-))

Zu 2) Ja, aber mir tun all die Ferrari und Lamborghini-Halter leid. ;-) Und der Vergleich mit dem Schuldenstaaten von Amerika hinkt arg...

Zu 3) Das hängt wohl auch mit den Punkten 5 und 7 zusammen. Wir reden da nicht nur von einem Brain Drain sondern auch von einem Hand Drain. Die Bulgaren sind eigentlich geschickte Handwerker, aber die besten arbeiten lieber auf Baustellen im Ausland.

Zu 4) Ich habe auch schon von deutschen Vorstandsgattinnen gehört, die sich um das Schicksal der streunenden Hündchen eigenhändig gesorgt haben...
Im Übrigen spart Nachbars Lumpi den Wecker. Positiv gesehen. ;-)
Ich vernehme morgens auch einen krähenden Hahn. Ganz rustikal.

Zu 6) Mit einer japanischen Mutter und einer bulgarischen Ehefrau bin ich durchaus informiert, wie in Deutschland mit Ausländern umgesprungen wird. Deshalb schrieb ich ja auch am Anfang wie freundlich man in der Regel als Ausländer behandelt wird. Um diese EGN Sache kommt man meistens auch gut rum, wenn man einen einheimischen Partner hat. Aber wenn ich beispielsweise bei einem Handyvertrag als Ausländer eine extra Kaution für das Gerät hinterlegen soll, hat es für mich durchaus etwas diskriminierendes.

Zu 7) Du sagst es. ;-)

Zu 8) Stimmt auch wieder. Und am Ende sprühen die noch Glycerin auf die Reifen, damit sie wie neu aussehen. Unbezahlbar.
Ich hoffe, daheim fährst Du in eine Waschbox, den wildes auf der Straße waschen ist dort verboten. Wie so vieles, was Spaß macht.

Zu 10) Dann wird es aber Zeit. Ich werde Dir eine Kostprobe zustellen lassen. ;-)

Rudolf hat gesagt…

Mal im vollen Ernst.

Prinzipiell der einzige wirklich negative Punkt in Bulgarien ist für mich die endlose Klagerei über dies und das und überhaupt, was geht es uns schlecht.

Das Lied wird am liebsten bei einem leckeren Essen "gesungen", in hübschester und intelligenter Begleitung mit massenhaft leckerem Alkohol und bei guter Musik. (übrigens alles Sachen, die man in D ja oft nur vom Höhrensagen kennt)

Wirklich, das ist das einzige, was mich nachhaltig stört, alles andere ist (fü mich) Grundrauschen.

Und wenn nach nun drei Jahren die rosa-rote Brille bei mir nicht beschlagen ist, dann vor allem wegen der Mörderparties an vielen Wochenenden. Die entschädigen für vieles und fehlene unbedingt auf der Positiv Liste.
Gruß, Rudolf

Suxi hat gesagt…

"Prinzipiell der einzige wirklich negative Punkt in Bulgarien ist für mich die endlose Klagerei über dies und das und überhaupt, was geht es uns schlecht."

Ein Lied übrigens, das auch im ach so reichen Deutschland allzu gerne gesungen wird.

Einen Satz, den man in diesem Zusammenhang oft höre und bei dem ich zuviel bekomme, lautet: "Ja schön und gut, aber das funktioniert in Bulgarien nicht..."
Bulgaren betrachten ihre Probleme gerne als etwas ur-bulgarisches und damit unveränderbares an. Es ist sozusagen Teil der Folklore. Dabei ist das einzig wirklich bulgarische daran der Umgang damit.

Karla und Jo hat gesagt…

Die Liste ließe sich sicher erweitern, trifft aber das Wesentliche. Aber schön zu wissen dass es ein grundsätzliches Problem ist, das mit der Personennummer. Aber trotz aller Probleme, Schwierigkeiten, trotz eines latenten Unwohlseins wenn wir erleben,mit wie wenig (oftmals auch gar keinem) Geld die meisten Menschen in diesem Land auskommen müssen - wir leben gerne hier.
Gruß Karla und Jo

Suxi hat gesagt…

Hallo Karla und Jo,
danke für Euren freundlichen Kommentar. Ja, auch ich wohne gerne hier. Die Listen habe ich als eine Art Bestandsaufnahme für mich selber erstellt. Sicher, es gibt auf beiden Seiten sicher noch einige Punkte, die man hinzufügen könnte.
Die Einkommensunterschiede sind in der Tat frappierend. Auf der einen Seite sündhafte teure Sportwagen und auf der anderen Seite Armut wie unterhalb der Sahelzone.

Viele Grüße aus Varna,
Ivan

Careli - Einfach Leben hat gesagt…

Diese Schlaglöcher sagen mir, das ich nicht in einem perfekten Land lebe und das gefällt mir.Live is Live

Suxi hat gesagt…

@Careli, mag sein, solange wir keine russischen Verhältnisse haben...
http://www.myvideo.de/watch/5058872/Russisches_Schlagloch

Anonym hat gesagt…

Tja, bin nun schon einige Zeit "stiller Leser" deines Blog. Gefällt mir gut. Erinnert mich vieles an La Gomera früher wo ich seit 13 Jahren lebe. Nun aber in 2 Monaten werde ich nach Bulgarien (Sonnenstrand) umziehen. (Nicht nur) der Liebe wegen ;)

Gruss Rainer

Bernhard hat gesagt…

Zum Thema Raucher und Rauchen möchte ich auch gern einmal loswerden, dass ich mich mit Inkrafttreten des neuen Gesetzes sehr gefreut hatte. Aber durch die zahlreichen Ausnahmeregelungen wurde es ziemlich schnell wieder relativiert. Schade, denn so konnte man endlich einmal durchatmen, wenn man abends unterwegs war.

René hat gesagt…

Ich mag auch noch einen Punkt hinzufügen. Und zwar war ich auf Abifahrt in Bulgarien am Sonnenstrand. Und dort sind mir vor allem die vielen Prostituierten, die in Hotelnähe quasi auf Touristen aufgelungert haben aufgefallen. OSnst denke ich dass es dort enorm schön war, gerade um nach dem Abi mal so richtig die Sau rauszulassen ;)